Risiera di San Sabba
1 Oktober 1943 – 3 Mai 1945
Autor: René Möhrle
Nach der deutschen Besetzung im September 1943 richtete die SS in der früheren Reisfabrik Risiera di San Sabba in Triest ein Polizeihaftlager ein. Zunächst als Durchgangslager für Kriegsgefangene genutzt, entwickelte sich die Anlage zu einem zentralen Ort der Inhaftierung, Folter und Ermordung. Inhaftiert wurden vor allem Jüdinnen und Juden, Partisanen und politische Gegner. Die Risiera war das einzige Lager in Italien mit einem eigenen Verbrennungsofen. Zwischen 1943 und 1945 wurden dort mindestens 2.000 Menschen ermordet. Einige Schätzungen sprechen von bis zu 5.000 Opfern. Zusätzlich wurden bis zu 25.000 Gefangene deportiert. Von den rund 1.450 deportierten Jüdinnen und Juden stammten 754 aus Triest. Nur 40 von ihnen überlebten. Das Lager unterstand dem Höheren SS- und Polizeiführer Odilo Globocnik. Er hatte zuvor die „Aktion Reinhardt“ geleitet, das Mordprogramm gegen die polnischen Jüdinnen und Juden. Nach dem Krieg wurde die Risiera di San Sabba zur nationalen Gedenkstätte. Die juristische Aufarbeitung der dort begangenen Verbrechen blieb begrenzt. Heute ist die Risiera ein zentraler Erinnerungsort an die nationalsozialistischen Verbrechen in Italien.
- Verantwortliche Einheit
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Sonderabteilung Einsatz-R
- Kommando
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Höherer SS- und Polizeiführer im Adriatischen Küstenland
- Täter
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Odilo Globocnik, Christian Wirth, Joseph Oberhauser, Dietrich August Allers
- Opfer
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Zwischen 2.000 und 5.000 Menschen
- Untersuchungen und Prozesse
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Italien: Abwesenheitsurteil gegen Josef Oberhauser, 1976
Deutschland: Ermittlungen ab 1961. Kein Prozess. Einstellung 1976 - Streitkräfte
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SS
Das Lager
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Von der Reisfabrik zur Kaserne: Die frühe Geschichte der Risiera di San Sabba
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Von der Kaserne zum Konzentrationslager: Die Risiera di San Sabba unter deutscher Besatzung
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Von Lublin nach Triest: SS-Strukturen der „Aktion Reinhardt“ in der Operationszone Adriatisches Küstenland
Zwischen 1943 und 1945 wurden in der Risiera di San Sabba tausende Menschen interniert, deportiert und ermordet. Besonders betroffen waren italienische Soldaten, politische Gefangene, Partisanen und Juden aus Friaul-Julisch Venetien, Istrien und Dalmatien. Von rund 1.450 deportierten Juden überlebten lediglich etwa 40 Personen. Mindestens 28 Juden wurden direkt in der Risiera ermordet.
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Folter, Mord und Deportation: Die Risiera di San Sabba als Ort der NS-Verbrechen
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Zwischen Willkür, Deportation und Mord: Der Lageralltag in San Sabba
Zwischen Februar und April 1976 verurteilte das Schwurgericht von Triest 16 SS-Angehörige wegen der Verbrechen in der Risiera di San Sabba. Die Urteile wurden in Abwesenheit gefällt und blieben ohne praktische Folgen, da Deutschland keine Auslieferung deutscher Staatsbürger vorsah.
Ermittlungen und Prozesse
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Verspätete Gerechtigkeit: Die juristische Aufarbeitung der Verbrechen von San Sabba
Erinnerung
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Gedenken zwischen Erinnern und Vergessen: Die Risiera di San Sabba
Quellen
Akten zu den Verfahren gegen in der Risiera tätige und den R-Einheiten zuzuordnende SS-Angehörige verteilen sich auf verschiedene deutsche und italienische Archive. In Deutschland befinden sich relevante Bestände vor allem im Bundesarchiv Ludwigsburg (z. B. BArch Ludwigsburg, B 162/2210–2213). In Italien verwahrt das Istituto Regionale per la Storia del Movimento di Liberazione in Triest entsprechende Unterlagen (z. B. IRSML, Busta 20). In ihrer Funktion als Kaserne und Materiallager findet die Risiera Erwähnung in den Akten des Quartiermeisters des II. SS-Panzer-Korps (BArch Freiburg, RS 2-2/26). Akten zu Odilo Globocnik in seiner Funktion als Höherer SS- und Polizeiführer der OZAK sind verstreut überliefert. Sie finden sich im Bundesarchiv Berlin (z. B. Sammlung personenbezogener Unterlagen bis 1945, SSO 016A) sowie im Archivio di Stato di Trieste (z. B. ASTS, Prefettura, Atti Generali 1923–1945, Busta 3041/19171). Die wenigen Akten des Obersten Kommissars in der OZAK, die in deutschen Archiven überliefert sind, befinden sich im Bundesarchiv Berlin (z. B. R 83) sowie im Politischen Archiv des Auswärtigen Amts (z. B. PA AA, R 99420).
Bibliografie
Sara Berger, Experten der Vernichtung: Das T4-Reinhardt-Netzwerk in den Lagern Belzec, Sobibor und Treblinka, Hamburg, Hamburger Edition, 2013.
Stefano Di Giusto, Tommaso Chiussi, Globocnik’s Men in Italy, 1943–45. Abteilung R and the SS-Wachmannschaften of the Operationszone Adriatisches Küstenland, Schiffer, Atglen, 2017.
Ferruccio Fölkel, La Risiera di San Sabba. LʼOlocausto dimenticato. Trieste e il Litorale Adriatico durante lʼoccupazione nazista, Mailand 2000.
Tristano Matta, Il lager di San Sabba. Dall'occupazione nazista al processo di Trieste, Triest 2012.
Adolfo Scalpelli, San Sabba. Istruttoria e processo per il Lager della Risiera, 2 Bde., Edizioni Lint (im Auftrag von ANED), Triest, 1988.