Die erste Phase: „Wallenstein I“
Autor: Carlo Gentile
Überwachung, Straßensperren, Ausweise: Der polizeiliche Rahmen von „Wallenstein I“
Die erste Phase der Operation „Wallenstein“ begann Ende Juni 1944 im Raum südlich des Po und richtete sich gegen Partisanenverbände in den Provinzen Parma und Reggio Emilia. Bevor deutsche Einheiten in die Gebirgsräume des hohen Apennins vordrangen, wurden Verkehrswege kontrolliert, Straßensperren eingerichtet und die Bewegungen der Bevölkerung überwacht. Diese Maßnahmen sollten den Einsatzraum abschirmen, Flucht- und Versorgungswege unterbrechen und die Bewegungsfreiheit der Partisanen einschränken.
Die folgenden Aufnahmen zeigen diesen polizeilichen Rahmen der Operation: Wegweiser und Warnschilder, Kontrollen durch die Geheime Feldpolizei, die Überprüfung von Fahrzeugen, Marschpapieren und Ausweisen. Sie machen sichtbar, dass Partisanenbekämpfung nicht nur aus militärischen Durchkämmungen bestand, sondern auch aus der Kontrolle über Raum, Mobilität und Bevölkerung. Gerade an den Straßensperren verdichtete sich die Besatzungsherrschaft zu einer alltäglichen Praxis der Überwachung, Einschüchterung und Selektion.
Durchkämmen im Hochapennin
Größere Partisanenbekämpfungsaktionen folgten meist einem wiederkehrenden taktischen Muster. Das als „Bandengebiet“ definierte Gelände wurde zunächst durch Sperrgruppen abgeriegelt, um Fluchtwege zu blockieren und Bewegungen innerhalb des Einsatzraums zu kontrollieren. Während sich der Einschließungsring verengte, drangen Stoßgruppen in das Gebiet ein. Sie sollten Partisanen aufspüren, zum Kampf oder zur Flucht zwingen und deren Stellungen, Unterkünfte und Versorgungsstrukturen zerstören. Den Sperrgruppen kam anschließend die Aufgabe zu, flüchtende Personen abzufangen.
Die folgenden Aufnahmen zeigen solche Einsätze in den Hochlagen des Apennins. In Höhen zwischen 1.500 und 2.000 Metern waren die Bedingungen besonders schwierig: steile Hänge, schmale Pfade, unübersichtliches Gelände und wechselhaftes Wetter erschwerten den Marsch, die Orientierung, den Nachschub und die Sicherung. Die Bilder dokumentieren den Vormarsch eines Kommandos durch das Gebirge und veranschaulichen die praktischen Herausforderungen der Partisanenbekämpfung im Hochapennin.
Durch die Lunigiana: Marsch, Rast und Zerstörung
Die Bildfolge zeigt den Marsch einer Luftwaffeneinheit Anfang Juli 1944 durch ein Tal der Lunigiana in der Provinz Massa-Carrara, an der Grenze zwischen Toskana, Emilia und Ligurien. Die Soldaten steigen aus dem Apennin herab; im Hintergrund ist die Burgruine von Treschietto bei Bagnone zu erkennen. Die Aufnahmen entstanden am Ende der ersten Phase der Operation „Wallenstein“.
Zu sehen sind Marschkolonnen, Rastpausen, Begegnungen mit Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohnern, der Transport von Gepäck und Vorräten, die Durchsuchung von Waldarbeiterbaracken sowie die Brandlegung von Gebäuden. Offene physische Gewalt gegen die Zivilbevölkerung zeigen diese Fotos nicht. Einige Aufnahmen vermitteln vielmehr den Eindruck geordneter Begegnungen und scheinbar freiwilliger Hilfeleistungen.
Gerade darin liegt ihre propagandistische Bildlogik. Die Kamera zeigt die Heranziehung ziviler Arbeitskräfte, die Beschlagnahme von Vorräten und die Zerstörung von Unterkünften als kontrollierten Ablauf einer militärischen Operation. Der Zwang bleibt weitgehend außerhalb des Bildes, ist aber in den Machtverhältnissen der Besatzung präsent: in der Anwesenheit bewaffneter Soldaten, im Zugriff auf Eigentum, Nahrung, Transportmittel und Arbeitskraft sowie in der Bedrohung der betroffenen Bevölkerung.
Die Fotografien dokumentieren daher nicht einfach die Wirklichkeit der Operation, sondern eine von den Propagandafotografen geordnete Sicht darauf. Sie zeigen scheinbare Normalität – und verweisen zugleich auf die Gewalt, die dieser Normalität zugrunde lag.
Dokumentierte Gewalt: Eine Exekution im Rahmen der Operation „Wallenstein“
Während die vorangehenden Aufnahmen Gewalt vor allem indirekt sichtbar machen, dokumentiert die folgende Bildsequenz eine Erschießung am Ende der ersten Phase der Operation „Wallenstein“ in der Lunigiana. Der genaue Aufnahmeort ist nicht überliefert; auch die Identität des Opfers und der beteiligten Soldaten ist bislang unbekannt.
Im Zusammenhang mit der Operation „Wallenstein“ kam es in der Lunigiana Anfang Juli 1944 an mindestens acht Orten zu Erschießungen. Dabei wurden insgesamt 37 Menschen getötet, die von den deutschen Einheiten als Partisanen oder als Unterstützer des Widerstands eingestuft wurden. Tatsächlich hatten mehrere von ihnen keine nachweisbare Verbindung zur Resistenza.
Mit der Veröffentlichung dieser Fotografien verbinden wir die Hoffnung, Hinweise von lokalen Forscherinnen und Forschern zu erhalten, die zur Identifizierung des Opfers und zur Klärung der Umstände seiner Tötung beitragen können.