[Translate to Deutsch:] Black and white photo.
Sommer 1944, südlich des Po: Ein Kommando der Geheimen Feldpolizei kontrolliert an einer Straßensperre die Papiere eines Autofahrers. © BArch, Bild 101 I/477/2107/2A, Fotograf Kohlroser (Luftflotte 2)

Die erste Phase: „Wallenstein I“

Autor: Carlo Gentile

Überwachung, Straßensperren, Ausweise: Der polizeiliche Rahmen von „Wallenstein I“

Die erste Phase der Operation „Wallenstein“ begann Ende Juni 1944 im Raum südlich des Po und richtete sich gegen Partisanenverbände in den Provinzen Parma und Reggio Emilia. Bevor deutsche Einheiten in die Gebirgsräume des hohen Apennins vordrangen, wurden Verkehrswege kontrolliert, Straßensperren eingerichtet und die Bewegungen der Bevölkerung überwacht. Diese Maßnahmen sollten den Einsatzraum abschirmen, Flucht- und Versorgungswege unterbrechen und die Bewegungsfreiheit der Partisanen einschränken.

Die folgenden Aufnahmen zeigen diesen polizeilichen Rahmen der Operation: Wegweiser und Warnschilder, Kontrollen durch die Geheime Feldpolizei, die Überprüfung von Fahrzeugen, Marschpapieren und Ausweisen. Sie machen sichtbar, dass Partisanenbekämpfung nicht nur aus militärischen Durchkämmungen bestand, sondern auch aus der Kontrolle über Raum, Mobilität und Bevölkerung. Gerade an den Straßensperren verdichtete sich die Besatzungsherrschaft zu einer alltäglichen Praxis der Überwachung, Einschüchterung und Selektion.

  • [Translate to Deutsch:] Immagine in bianco e nero di un cartello. Avverte dei pericoli in tedesco.
    Sommer 1944: Wegweiser und Warnschilder an einer Kreuzung an der Straße zum Passo dell’Abetone in der nördlichen Toskana. Ein Schild warnt Wehrmachtsfahrer vor Partisanen und Straßensperren; weitere Hinweise nennen deutsche Dienststellen, darunter Feldgendarmerie und Feldjäger, die im rückwärtigen Raum den Verkehr und die Bewegungen der Truppe kontrollierten. © BArch, Bild 101 I/477/2110/23A, Fotograf Beyer (Luftflotte 2)
  • Sommer 1944, südlich des Po: Ein Kommando der Geheimen Feldpolizei kontrolliert an einer Straßensperre die Papiere eines Autofahrers. Der Wagen ist für den Betrieb mit Gas statt mit Benzin ausgerüstet. An der Scheibe ist eine Plakette mit großem weißem „Z“ zu erkennen, die auf eine Genehmigung der Militärverwaltung hinweist. Solche Scheine regelten den Verkehr südlich des Po und konnten Fahrzeuge vor Beschlagnahme schützen. © BArch, Bild 101 I/477/2107/4A, Fotograf Kohlroser (Luftflotte 2)
  • Ein Autofahrer zeigt Angehörigen der Geheimen Feldpolizei an der Straßensperre seine Fahrzeugpapiere vor. © BArch, Bild 101 I/477/2107/13A, Fotograf Kohlroser (Luftflotte 2)
  • Nach bestandener Kontrolle hebt der Autofahrer den rechten Arm zum faschistischen Gruß. © BArch, Bild 101 I/477/2107/14A, Fotograf Kohlroser (Luftflotte 2)
  • [Translate to Deutsch:] Schwarz-Weiß Photografie.
    Eine Straßensperre in der Po-Ebene: Angehörige der Geheimen Feldpolizei halten ein Wehrmachtfahrzeug an und überprüfen die Marschpapiere. Die Buchstaben „GFP“ auf der Schulterklappe des Feldwebels links im Bild weisen ihn als Angehörigen der Geheimen Feldpolizei aus. © BArch, Bild 101 I/477/2107/21A, Fotograf Kohlroser (Luftflotte 2)
  • Zwei Radfahrer werden an der Straßensperre kontrolliert. © BArch, Bild 101 I/477/2107/27A, Fotograf Kohlroser (Luftflotte 2)
  • Eine belebte Szene an der Straßensperre: Angehörige der Geheimen Feldpolizei haben einen Bus angehalten und die Insassen zur Kontrolle aussteigen lassen. © BArch, Bild 101 I/477/2107/30A, Fotograf Kohlroser (Luftflotte 2)
  • [Translate to Deutsch:] Schwarz-Weiß Foto. Soldaten kontrolieren Zivilpersonen.
    Die Kontrolle der Businsassen wird fortgesetzt. Die Angehörigen der Geheimen Feldpolizei prüfen die Ausweise der Wartenden. © BArch, Bild 101 I/477/2107/32A, Fotograf Kohlroser (Luftflotte 2)

Durchkämmen im Hochapennin

Größere Partisanenbekämpfungsaktionen folgten meist einem wiederkehrenden taktischen Muster. Das als „Bandengebiet“ definierte Gelände wurde zunächst durch Sperrgruppen abgeriegelt, um Fluchtwege zu blockieren und Bewegungen innerhalb des Einsatzraums zu kontrollieren. Während sich der Einschließungsring verengte, drangen Stoßgruppen in das Gebiet ein. Sie sollten Partisanen aufspüren, zum Kampf oder zur Flucht zwingen und deren Stellungen, Unterkünfte und Versorgungsstrukturen zerstören. Den Sperrgruppen kam anschließend die Aufgabe zu, flüchtende Personen abzufangen.

Die folgenden Aufnahmen zeigen solche Einsätze in den Hochlagen des Apennins. In Höhen zwischen 1.500 und 2.000 Metern waren die Bedingungen besonders schwierig: steile Hänge, schmale Pfade, unübersichtliches Gelände und wechselhaftes Wetter erschwerten den Marsch, die Orientierung, den Nachschub und die Sicherung. Die Bilder dokumentieren den Vormarsch eines Kommandos durch das Gebirge und veranschaulichen die praktischen Herausforderungen der Partisanenbekämpfung im Hochapennin.

  • Eine Gruppe deutscher Soldaten legt während einer Partisanenbekämpfungsaktion eine Rast ein. © BArch, Bild 101 I/478/2171/02, Fotograf Rieder (Luftflotte 2)
  • Die Soldaten bewegen sich durch steiles, unwegsames Gelände. Das Bild veranschaulicht die schwierigen Einsatzbedingungen der Einheiten, die im Sommer 1944 im Rahmen der Operation „Wallenstein“ im hohen Apennin eingesetzt wurden. © BArch, Bild 101 I/478/2171/05, Fotograf Rieder (Luftflotte 2)
  • Die Einheit bewegt sich weiter entlang eines schmalen Weges an einem steilen Berghang. © BArch, Bild 101 I/478/2171/9, Fotograf Rieder (Luftflotte 2)
  • Ein Maultier trägt auf einem Gebirgspfad Maschinengewehre, Munitionsmagazine, Ersatzläufe und Gepäck; eine Plane schützt die Ladung vor Regen. © BArch, Bild 101 I/478/2171/17, Fotograf Rieder (Luftflotte 2)
  • Entlang des Weges beobachten die Soldaten den gegenüberliegenden Berghang. © BArch, Bild 101 I/478/2171/22, Fotograf Rieder (Luftflotte 2)
  • Neben einem Soldaten mit Fernglas sichert ein weiterer Soldat mit Zielfernrohr an seinem Karabiner das Gelände. © BArch, Bild 101 I/478/2171/23, fotografo Rieder (Luftflotte 2)
  • [Translate to Deutsch:] Schwarz-Weiß Photografie. Waffen und Monition liegen auf sandigem Boden.
    Ein leichtes britisches Bren-Maschinengewehr, ein italienischer Karabiner und Munition, vermutlich Kriegsbeute. © Lichter / ECPAD / Défense (LFT2 F2142 L30A)
  • Von einer Anhöhe aus beobachten junge Luftwaffenangehörige die Umgebung. © Lichter / ECPAD / Défense (LFT2 F2142 L22A)
  • Ein junger Soldat bewegt sich zügig über offenes Gelände. © Lichter / ECPAD / Défense (LFT2 F2142 L24A)
  • Eine Person in Zivilkleidung wird von Soldaten im Tal eskortiert. Möglicherweise handelt es sich um einen gefangenen Partisanen oder um einen Zivilisten, der von den Truppen als Träger eingesetzt wurde. © Lichter / ECPAD / Défense (LFT2 F2142 L06A)

Durch die Lunigiana: Marsch, Rast und Zerstörung

Die Bildfolge zeigt den Marsch einer Luftwaffeneinheit Anfang Juli 1944 durch ein Tal der Lunigiana in der Provinz Massa-Carrara, an der Grenze zwischen Toskana, Emilia und Ligurien. Die Soldaten steigen aus dem Apennin herab; im Hintergrund ist die Burgruine von Treschietto bei Bagnone zu erkennen. Die Aufnahmen entstanden am Ende der ersten Phase der Operation „Wallenstein“.

Zu sehen sind Marschkolonnen, Rastpausen, Begegnungen mit Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohnern, der Transport von Gepäck und Vorräten, die Durchsuchung von Waldarbeiterbaracken sowie die Brandlegung von Gebäuden. Offene physische Gewalt gegen die Zivilbevölkerung zeigen diese Fotos nicht. Einige Aufnahmen vermitteln vielmehr den Eindruck geordneter Begegnungen und scheinbar freiwilliger Hilfeleistungen.

Gerade darin liegt ihre propagandistische Bildlogik. Die Kamera zeigt die Heranziehung ziviler Arbeitskräfte, die Beschlagnahme von Vorräten und die Zerstörung von Unterkünften als kontrollierten Ablauf einer militärischen Operation. Der Zwang bleibt weitgehend außerhalb des Bildes, ist aber in den Machtverhältnissen der Besatzung präsent: in der Anwesenheit bewaffneter Soldaten, im Zugriff auf Eigentum, Nahrung, Transportmittel und Arbeitskraft sowie in der Bedrohung der betroffenen Bevölkerung.

Die Fotografien dokumentieren daher nicht einfach die Wirklichkeit der Operation, sondern eine von den Propagandafotografen geordnete Sicht darauf. Sie zeigen scheinbare Normalität – und verweisen zugleich auf die Gewalt, die dieser Normalität zugrunde lag.

  • [Translate to Deutsch:] Schwarz-Weiß Photografie.
    Soldaten marschieren auf einem gepflasterten Bergweg entlang des Talbodens. Im Hintergrund ist die Burgruine von Treschietto bei Bagnone zu erkennen. © Rieder / ECPAD / Défense (LFT2 F2138 L12)
  • [Translate to Deutsch:] Schwarz-Weiß Photografie.
    Die Luftwaffeneinheit legt eine Rast ein. Im Zentrum sitzen Offiziere, rechts ein Zivilist, dessen Rolle im Kontext der Operation nicht eindeutig zu bestimmen ist. Im Vordergrund stehen Weinballons und Flaschen; ob es sich um beschlagnahmte Vorräte oder um eine Bewirtung handelt, lässt sich aus dem Bild nicht erkennen. © Rieder / ECPAD / Défense (LFT2 F2138 L17)
  • [Translate to Deutsch:] Schwarz-Weiß Photografie.
    Soldaten rasten im Schatten am Wegesrand und kommen mit Dorfbewohnern ins Gespräch. Im Vordergrund liegt ein Fahrrad. © Rieder / ECPAD / Défense (LFT2 F2138 L18)
  • Weitere Aufnahme am Rastplatz. Die unterschiedlichen Körperhaltungen und Gesichtsausdrücke der Anwesenden verweisen auf die Ambivalenz solcher Begegnungen im Kontext militärischer Präsenz und Dominanz. © Rieder / ECPAD / Défense (LFT2 F2138 L19)
  • [Translate to Deutsch:] Schwarz-Weiß Photografie.
    Fortsetzung der Szene am Rastplatz: Begegnung zwischen Dorfbewohnern und einer rastenden Luftwaffeneinheit. © Rieder / ECPAD / Défense (LFT2 F2138 L20)
  • Fortsetzung der Szene im Tal: Soldaten und Dorfbewohner halten sich in der Nähe einer kleinen Steinbrücke auf. Die Gruppe wirkt gesammelt und wartend; Lasttiere und Gepäck sind sichtbar. © Rieder / ECPAD / Défense (LFT2 F2138 L22)
  • Der Marsch durch das Tal setzt sich fort. Im Vordergrund geht vermutlich der Bataillonskommandeur; hinter ihm folgen Soldaten und Zivilpersonen auf dem steinigen Weg. © Rieder / ECPAD / Défense (LFT2 F2138 L29)
  • Soldaten und junge Frauen mit Weinflaschen auf dem Marsch in Richtung Corlaga. © Rieder / ECPAD / Défense (LFT2 F2138 L30)
  • Die Kolonne hat das Dorf Corlaga erreicht. © Rieder / ECPAD / Défense (LFT2 F2138 L34)
  • [Translate to Deutsch:] Schwarz-Weiß Photografie.
    In Corlaga an der Hauptstraße. © Rieder / ECPAD / Défense (LFT2 F2138 L35)
  • [Translate to Deutsch:] Schwarz-Weiß Photografie.
    Männer transportieren mit Handkarren und Lasttieren Gepäck und Wein für die Soldaten. Das Foto verweist auf die im Rahmen von Aktionen zur Partisanenbekämpfung häufige Heranziehung von Dorfbewohnern als Träger unter militärischer Aufsicht. © Rieder / ECPAD / Défense (LFT2 F2138 L37)
  • Schwarz-Weiß Photografie.
    Soldaten durchsuchen Waldarbeiterbaracken und stellen Vorräte sicher. © Rieder / ECPAD / Défense (LFT2 F2137 L34A)
  • Eine brennende Holzbaracke. © Rieder / ECPAD / Défense, LFT2 F2139 L04
  • Junge Angehörige einer Luftwaffeneinheit sichern beschlagnahmte Vorräte in Säcken. Sie tragen deutsche Uniformen, führen jedoch italienische Handwaffen. Dies könnte darauf hindeuten, dass sich unter ihnen italienische Militärangehörige befanden, die nach 1943 in deutsche Luftwaffeneinheiten, insbesondere in Flakverbände, eingegliedert und im Rahmen der Operation „Wallenstein“ eingesetzt wurden. © Rieder / ECPAD / Défense (LFT2 F2139 L05)
  • Die Holzbaracke wird in Brand gesetzt. © Rieder / ECPAD / Défense (LFT2 F2139 L06)
  • Nahaufnahme eines mutmaßlich italienischen Soldaten in Luftwaffenuniform. Er trägt deutschen Stahlhelm; bei dem Gewehr handelt es sich um einen italienischen Moschetto im Kaliber 6,5 mm. © Rieder / ECPAD / Défense (LFT2 F2139 L17)
  • Seitenaufnahme desselben Soldaten mit teilweise improvisierter Ausrüstung, darunter eine Wolldecke und Regenschutz. Seine Vorräte transportiert er in einem Sack, den er auf dem Kopf trägt. © Rieder / ECPAD / Défense (LFT2 F2139 L18)

Dokumentierte Gewalt: Eine Exekution im Rahmen der Operation „Wallenstein“

Während die vorangehenden Aufnahmen Gewalt vor allem indirekt sichtbar machen, dokumentiert die folgende Bildsequenz eine Erschießung am Ende der ersten Phase der Operation „Wallenstein“ in der Lunigiana. Der genaue Aufnahmeort ist nicht überliefert; auch die Identität des Opfers und der beteiligten Soldaten ist bislang unbekannt.

Im Zusammenhang mit der Operation „Wallenstein“ kam es in der Lunigiana Anfang Juli 1944 an mindestens acht Orten zu Erschießungen. Dabei wurden insgesamt 37 Menschen getötet, die von den deutschen Einheiten als Partisanen oder als Unterstützer des Widerstands eingestuft wurden. Tatsächlich hatten mehrere von ihnen keine nachweisbare Verbindung zur Resistenza.

Mit der Veröffentlichung dieser Fotografien verbinden wir die Hoffnung, Hinweise von lokalen Forscherinnen und Forschern zu erhalten, die zur Identifizierung des Opfers und zur Klärung der Umstände seiner Tötung beitragen können.

Die folgenden Inhalte zeigen Szenen massiver psychischer und physischer Gewaltanwendung. Bitte bedenken Sie dies, bevor Sie das Bild- / Videomaterial betrachten.
  • Die Bildsequenz beginnt mit einer Nahaufnahme des Gefangenen. © Freytag / ECPAD / Défense (LFT2 F2141 L25A)
  • [Translate to Deutsch:] Schwarz-Weiß Photografie.
    Ein Unteroffizier, möglicherweise ein Feldwebel, legt dem Gefangenen ein Tuch über das Gesicht. © Freytag / ECPAD / Défense (LFT2 F2141 L26A)
  • Das Erschießungskommando macht sich bereit. Der kommandierende Unteroffizier steht im Hintergrund und ist teilweise verdeckt. Ebenfalls im Hintergrund fotografiert ein zweiter Propagandafotograf die Szene. © Freytag / ECPAD / Défense (LFT2 F2141 L27A)
  • Das Erschießungskommando legt die Gewehre an. © Freytag / ECPAD / Défense (LFT2 F2141 L28A)
  • Das Kommando feuert eine Salve ab. © Freytag / ECPAD / Défense (LFT2 F2141 L29A)
Seitenanfang