Wallenstein III
Autor: Carlo Gentile
Die dritte Phase: Militärische Schwerpunktsetzung und veränderte Gewaltpraxis
Mit dem Vorrücken der alliierten Front entstanden im Sommer 1944 im Apennin mehrere sogenannte „Partisanenrepubliken“ – zeitweilig von der Resistenza kontrollierte Gebiete, aus denen deutsche Besatzungstruppen sowie faschistische Verwaltungs- und Polizeikräfte verdrängt worden waren. Eine der bekanntesten war die „Partisanenrepublik Montefiorino“ südlich von Modena. Sie entstand Mitte Juni 1944, umfasste sieben Gemeinden auf rund 600 Quadratkilometern und wurde zu einem wichtigen Symbol des bewaffneten Widerstands.
Für die deutsche Führung stellte dieser Kontrollverlust in einem frontnahen Raum eine strategische Herausforderung dar. Die von der Resistenza beherrschte Zone bedrohte wichtige Nachschubverbindungen. In der dritten Phase der Operation „Wallenstein“ vom 30. Juli bis 7. August 1944 sollten die Partisanenverbände im Raum Montefiorino zerschlagen und die militärische Kontrolle wiederhergestellt werden. Daran beteiligt waren Einheiten der Luftwaffe, der deutschen Ordnungspolizei und faschistischer Milizen. Innerhalb weniger Tage brachten diese Truppen das Gebiet erneut unter ihre Kontrolle.
Für diese letzte Phase der Operation sind keine Massaker an der Zivilbevölkerung belegt. Die Gewalt endete jedoch nicht. Es kam weiterhin zu Festnahmen, Durchkämmungen und zur Erschießung gefangener Partisanen, insbesondere im Raum Fanano. Auch Brandlegungen und die Zerstörung ländlicher Infrastruktur blieben zentrale Mittel des Vorgehens. Auffällig ist daher weniger ein Ausbleiben von Gewalt als deren veränderte Form: Sie richtete sich weiterhin gegen Menschen, Eigentum und Lebensgrundlagen, trat nun aber selektiver und stärker operativ fokussiert auf.
Die hier gezeigten Fotografien stammen aus dem Bundesarchiv, Bestand Bild 101 I. Sie wurden vom Luftwaffen-Bildberichterstatter Seyfarth während der letzten Phase der Operation aufgenommen. Die Serie begleitet eine Luftwaffeneinheit im Raum Montefiorino; möglicherweise handelt es sich um das Luftwaffen-Jäger-Bataillon z.b.V. 7, das an allen Phasen der Operation „Wallenstein“ beteiligt war.
Die Bildfolge dokumentiert den Anmarsch in das Einsatzgebiet, die Formierung und das Vorrücken im Apennin sowie Sicherungs- und Durchsuchungsmaßnahmen. Zu sehen sind die Durchsuchung von Bauernhäusern, die Beschlagnahme von Lebensmitteln und Vieh sowie die gezielte Brandlegung abgelegener Anwesen. Die Aufnahmen verbinden militärische Anspannung, routinisiertes Handeln und gezielte Zerstörung: Soldaten erscheinen beim Vorrücken, bei Sicherungsmaßnahmen und in Momenten scheinbarer Ruhe; zugleich zeigen die Fotografien brennende Gebäude, beschlagnahmte Vorräte und die Zerstörung ländlicher Infrastruktur. Dadurch vermittelt die Serie nicht nur Einblicke in die Durchführung einer „Durchkämmungsaktion“, sondern auch in die Normalisierung von Gewalt im Rahmen der Partisanenbekämpfung.