Das Gebäude in der Via Tasso, Sitz der Gestapo (Abteilung IV) des Außenkommandos der Sicherheitspolizei und des SD in Rom. Das Foto wurde etwa drei Wochen nach der Befreiung Roms aufgenommen © US NARA, US Army Signal Corps, 358878, Foto Getty, 196th Signal Corps Company

Außenkommando der Sicherheitspolizei und des SD in Rom

Autor: Carlo Gentile

Das Außenkommando der Sicherheitspolizei und des SD in Rom war eine zentrale Institution für Überwachungs- und Repressionsmaßnahmen der deutschen Besatzungsmacht. Unter der Leitung von Herbert Kappler koordinierten Gestapo und SD von der Via Tasso aus Operationen wie die Deportation der jüdischen Gemeinde und das Massaker in den Ardeatinischen Höhlen. Neben den Büro- und Vernehmungsräumen befand sich dort auch ein Gefängnis, in dem zahlreiche politische Gegner und Juden inhaftiert wurden. Heute dient das Gebäude als Museo Storico della Liberazione und erinnert an die Verbrechen und ihre Opfer.

Truppengattung
Sicherheitspolizei und SD
Streitkraft
SS
Kommandeure
SS-Obersturmbannführer Herbert Kappler
Dienstjahre
1943-1944
Feldzüge und Kampfhandlungen im Zweiten Weltkrieg
Besatzung Italien (1943-1944)
Bestätigte Massaker

Massaker in den Ardeatinischen Höhlen (24. März 1944)
Massaker von La Storta (4. Juni 1944)

Entstehung und Erfahrung im Krieg

  • Areal photographie. Building 1 and building 2 are connected through a garden.
    Detail einer Luftaufnahme aus einem Aufklärungsflug der US Air Force über Rom. Zu sehen ist (1) das Gestapo-Gebäude in der Via Tasso. Über den Innenhof mit Garten gelangte man zur Villa Massimo in Laterano (2), in der der SD seinen Sitz hatte und sich das Kasino befand. © US NARA, RG 373, D10114 4007, 18.9.44
  • Areal photography. Three of the buildings that are visible have numbers. Number 1 seems to be ina very green, more park like area. Number 2 and number 3 are connected through a garden.
    Detail einer Luftaufnahme aus einem Aufklärungsflug der US Air Force über Rom. Markiert sind: (1) die Deutsche Botschaft (Villa Wolkonsky), wo Herbert Kappler sein Büro hatte, (2) das Gestapo-Gebäude in der Via Tasso und (3) die Villa Massimo, in der sich die Büros des SD sowie das Kasino des Außenkommandos befanden © US NARA, RG 373, D10114 5005,18.9.44
Die Gestapo-Abteilung IV spielte eine zentrale Rolle bei den Repressionsmaßnahmen in Rom und war bekannt für die regelmäßige Anwendung der sogenannten ‚verschärften Vernehmung‘.
Das Außenkommando der Sicherheitspolizei und des SD war maßgeblich an der Organisation und Durchführung des Massakers in den Ardeatinischen Höhlen beteiligt.
Wenige Minuten nach dem Bombenattentat in der Via Rasella hebt ein SS-Hauptscharführer des Außenkommandos Rom Teile der Bombe auf. Das Attentat führte als Reaktion zur Massenerschießung von 335 Unbeteiligten in den Ardeatinischen Höhlen. © BArch, Bild 101I/312/0983/14 Foto Lutz Koch

Nachkriegszeit

Das Museo Storico della Liberazione dokumentiert nicht nur die Schrecken der Besatzung, sondern auch die Schicksale der Opfer und den italienischen Widerstand.

Quellen

Nur wenige Dokumente des Außenkommandos Rom haben den Krieg überdauert, was die Rekonstruktion seiner Aktivitäten erheblich erschwert. Zu den erhaltenen Beständen gehören Akten im Bundesarchiv (Bestand R 70 Italien), die einige grundlegende Informationen über die Arbeit des Kommandos enthalten. Ergänzend finden sich einzelne Dokumente in der National Archives and Records Administration (NARA) in den USA, darunter eine frühe Ermittlungsakte zum Massaker in den Ardeatinischen Höhlen. Über die Aktivitäten von Herbert Kapplers Kommando zwischen August und Oktober 1943 geben die vom britischen Geheimdienst abgefangenen Funksprüche zwischen dem Reichssicherheitshauptamt und Rom Auskunft, die u. a. in den Records of the Office of Strategic Services, RG 226, Entry 122, Misc. X-2 files, Box 1, Folder 5 – Italian Decodes enthalten sind. Diese Dokumente enthalten auch Hinweise auf die einsetzenden antijüdischen Maßnahmen in der italienischen Hauptstadt.

Weitere Unterlagen befinden sich im National Archives in Kew (London), zum Beispiel in den Aktenbänden KV 2/2219, WO 204/12992, WO 204/13006-13007 und WO 204/13016. Im Archivio Centrale dello Stato in Rom (Fondo Uffici di polizia e comandi militari tedeschi in Italia) sind darüber hinaus Berichte der Abteilung III des Außenkommandos zur Versorgung der Stadt Rom verfügbar.

Das Archiv des Museo Storico della Liberazione in der Via Tasso stellt die Biographien der Opfer des Außenkommandos im Rahmen des Projekts ViBiA – Virtual Biographical Archive – Fosse Ardeatine bereit und macht sie der Forschung zugänglich. Neben Dokumenten des Außenkommandos befinden sich dort auch persönliche Berichte und Aufzeichnungen von Opfern, die wertvolle Einblicke in die Ereignisse und die Funktionsweise der Dienststelle ermöglichen. Dort befinden sich zudem persönliche Berichte und Aufzeichnungen von Opfern und Zeitzeugen, die weitere Einblicke in die Funktionsweise des Kommandos geben. 

Einen Überblick über die Schwierigkeiten der strafrechtlichen Verfolgung von NS-Verbrechen bietet das umfangreiche Ermittlungs- und Prozessmaterial der Justiz der Bundesrepublik Deutschland. Besonders relevant sind die Verfahren der Zentralstelle im Land Nordrhein-Westfalen für die Bearbeitung von nationalsozialistischen Massenverbrechen bei der Staatsanwaltschaft Dortmund. Dort wurden unter anderem Ermittlungen gegen Herbert Kappler, Erich Priebke und weitere ehemalige Angehörige des Außenkommandos Rom eingeleitet, die jedoch sämtlich eingestellt wurden. Diese Entwicklungen zeigen, wie komplex und häufig unvollständig die strafrechtliche Aufarbeitung nationalsozialistischer Verbrechen in Deutschland nach 1945 geblieben ist.

Bibliografie 

Carlo Gentile/Lutz Klinkhammer, Gegen die Verbündeten von einst. Die Gestapo in Italien, in: Paul, Gerhard/Mallmann, Klaus-Michael (Hg.), Die Gestapo im Zweiten Weltkrieg. ‚Heimatfront’ und besetztes Europa, Darmstadt, WBG, 2000, S. 521-540.

Amedeo Osti Guerrazzi, Gli specialisti dell'odio. Delazioni, arresti, deportazioni di ebrei italiani, Rom, Giuntina, 2021.

Liliana Picciotto, The Decision-Making Process of the Roundup of the Jews of Rome (October 1943). A Historiographic Revisitation Based on OSS (Office of Strategic Services) Documents, in: Yad Vashem Studies, Vol. 48:1-2, 2020, S. 137-172.

Steffen Prauser, Mord in Rom? Der Anschlag in der Via Rasella und die deutsche Vergeltung in den Fosse Ardeatine im März 1944, in «Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte», Jahrgang 50 (2002), Heft 2, De Gruyter Oldenbourg, Berlin, pp. 269-301

Fabio Simonetti, Via Tasso. Quartier generale e carcere tedesco durante l'occupazione di Roma, Rom, Odradek, 2016. 

© Projekt "Die Massaker im besetzten Italien (1943–45) in der Erinnerung der Täter“

2025

Text: CC BY NC SA 4.0

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