© Bundearchiv, R 9361-III/526483

Odilo Lotario Ludwig Globocnik

Autor: René Möhrle

* 24 April 1904 – Triest
† 31 Mai 1945 – Schloss Paternion bei Weißensee, Kärnten (Österreich)

Odilo Globocnik (1904-1945) war einer der zentralen Organisatoren der nationalsozialistischen Judenverfolgung. Nach seiner Absetzung als Gauleiter von Wien 1939 wurde er von Himmler zum SS- und Polizeiführer im Distrikt Lublin ernannt. Dort leitete er ab 1942 die „Aktion Reinhardt“, bei der in Bełżec, Sobibór und Treblinka bis zu 1,8 Millionen Jüdinnen und Juden ermordet wurden. Ab Herbst 1943 war Globocnik Höherer SS- und Polizeiführer in der Operationszone Adriatisches Küstenland mit Sitz in Triest. Dort setzte er mit der Abteilung R die Judenverfolgung fort und koordinierte die Partisanenbekämpfung im Grenzgebiet zu Slowenien und Kroatien.

Nationalität
österreichisch
Eintritt in die NSDAP
1. März 1931 (Nr. 442.939), SS 1. September 1934 (Nr. 292.776)
Streitkraft
SS
Einheit
Der Höhere SS- und Polizeiführer in der Operationszone Adriatisches Küstenland
Dienstjahre
1934-1945
Dienstgrad
SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Polizei
Feldzüge und Kampfhandlungen im Zweiten Weltkrieg
Polen September 1939
Besatzung Polen Nov. 1939-Sept. 1943 (SSPF Lublin; Leitung Aktion Reinhardt)
Operationszone Adriatisches Küstenland Sept. 1943-Mai 1945
Bestätigte Massaker

Wesentlicher Anteil an der Verfolgung und Ermordung der Juden im besetzten Polen 1939-1943
Bełżec, Sobibór, Treblinka
Kampf gegen Partisanen und “Vergeltungsmaßnahmen” in der Operationszone Adriatisches Küstenland 1943-1945
Risiera di San Sabba 1943-1945

Nachkriegszeit

Selbstmord 1945

Ausbildung und Kriegserfahrung

Globocnik gehörte damit zu den Hauptverantwortlichen für die Umsetzung der Shoah.

Beteiligung an Massakern an Zivilisten

Die „Aktion Reinhardt“ markiert den Höhepunkt der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik: In keinem anderen Abschnitt des Holocaust wurden in so kurzer Zeit so viele Menschen ermordet.
Odilo Globocnik verabschiedet 1940 einen Umsiedlerzug; als SS- und Polizeiführer im Distrikt Lublin war er auch für die Umsiedlung der Wolhyniendeutschen zuständig. © BArch, Bild 137-064563 / Fot. o. Ang.
Das Bild zeigt eine US-amerikanische Luftaufnahme von Triest. Die Nummerierungen kennzeichnen: 1. den Sitz der Operationszone Adriatisches Küstenland im Justizpalast, 2. die Sipo- und SD-Zentrale an der Piazza Oberdan. © NARA - Record Group 373 - Aerial Photography

Nach dem Krieg

Quellen

Die wichtigsten Quellen zur Rekonstruktion der Biografie Odilo Globocniks – von seinen frühen Aktivitäten in Österreich über seine führende Rolle bei der „Aktion Reinhardt“ bis zu seiner Funktion als Höherer SS- und Polizeiführer in der Operationszone Adriatisches Küstenland – befinden sich im Bundesarchiv. Von zentraler Bedeutung sind die Ermittlungs- und Prozessakten, die in der Außenstelle Ludwigsburg aufbewahrt werden. Sie dokumentieren die strafrechtliche Aufarbeitung der Massenverbrechen im Rahmen der „Aktion Reinhardt“ durch westdeutsche Justizbehörden seit den 1960er-Jahren und enthalten umfangreiche Aussagen, Vernehmungsprotokolle und Beweismittel zur Rolle Globocniks bei der Organisation des Massenmords in den Vernichtungslagern Belzec, Sobibor und Treblinka. Ergänzt wird diese Überlieferung durch Personalunterlagen, dienstliche Korrespondenz und Sachakten im Bundesarchiv Berlin, insbesondere aus den Beständen NS 19 (Persönlicher Stab Reichsführer-SS), NS 21/1347 („Ahnenerbe“) sowie aus der Sammlung des Berlin Document Center (u. a. R 9361-II/143484, R 9361-III/526483, R 9361-III/54943, R 9361-I/42424). Weitere Hinweise auf Globocniks Tätigkeit finden sich in Akten des Reichssicherheitshauptamts (R 58/6562) und des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda (R 55/23491). Trotz dieser umfangreichen Quellenlage ist die systematische historische Aufarbeitung seiner Rolle im nationalsozialistischen Vernichtungsprozess bis heute nicht abgeschlossen.

Bibliografie

Stefano Di Giusto, Tommaso Chiussi, Globocnik’s Men in Italy, 1943–45. Abteilung R and the SS-Wachmannschaften of the Operationszone Adriatisches Küstenland, Schiffer, Atglen, 2017

Berndt Rieger, Creator of Nazi Death Camps. The Life of Odilo Globocnik, Vallentine Mitchell, London / Portland, 2007

Joseph Poprzeczny, Odilo Globocnik. Hitler’s Man in the East, McFarland, Jefferson NC / London, 2004

Johannes Sachslehner, Odilo Globocnik. Hitlers Manager des Todes, Molden, Wien, 2018

Josef Wulf, Das Dritte Reich und seine Vollstrecker, Arani, Berlin, 1961 (Nachdruck: Saur u. a., München u. a., 1978)

© Projekt "Die Massaker im besetzten Italien (1943–45) in der Erinnerung der Täter“

2025

Text: CC BY NC SA 4.0

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