Cerpiano

Die Überreste der Kapelle in Cerpiano: Es stehen noch Teile der Mauern aus hellem Stein. Ein Torbogen ist erkennbar.
Die von der SS in Cerpiano gefangen genommenen Personen wurden in dieser Kapelle eingesperrt und anschließend getötet. Einige Überlebende des Massakers wurden am Folgetag (30. September 1944) getötet. © Udo Gümpel

29 September 1944 – 30 September 1944 , Cerpiano, Ortsteil der Gemeinde Monzuno (Bologna, Emilia Romagna)

Viele Frauen und Kinder hatten in Cerpiano Zuflucht gefunden. Am Morgen des 29. September sammelten die Soldaten der 2. Kompanie der Aufklärungs-Abteilung unter Walter Reder die Menschen in der Kapelle, schossen auf sie und warfen Handgranaten. Nur eine Lehrerin und zwei sehr kleine Kinder überlebten. Nach dem Massaker wurde Cerpiano zum Gefechtsstand und Stützpunkt der deutschen Truppen in der Region, und es kam dort zu weiteren Gewalttaten an den Überlebenden.

Verantwortliche Einheit

2. Kompanie der SS-Panzer-Aufklärungs-Abteilung 16 „Reichsführer-SS“

Täter

Walter Reder, Werner Horst Szillat und ihre Männer, unter ihnen auch Albert Meier

Opfer

46 

Streitkräfte
Waffen-SS
Die Luftaufnahme zeigt ein zerstörtes Haus direkt von oben. Das Dach fehlt und so sind die Grundmauern erkennbar.
Ein Blick auf Cerpiano von oben. © Udo Gümpel
“After the doors of the church were locked, Meyer threw a hand-grenade into the church window in order, as he later boasted, to let these people suffer a little more. The next morning Meyer returned for the squad and killed the people that sought refuge in the church with small arms fire.”
Willi Kneißl
Im Prozess von 1951 behauptete Reder, die Leichen der Toten in Cerpiano nicht gesehen zu haben, da sie bereits vor seiner Ankunft eine Woche nach dem Massaker von den Überlebenden begraben worden waren. Er erinnerte sich aber an das Blut an den Wänden der Kapelle.
  • Die steinerne Gedenktafel für die Opfer listet ihre Namen und Geburtsjahre.
    Gedenktafel mit den Namen der Opfer des Massakers von Cerpiano. © Udo Gümpel
  • Die Detailaufnahme des Denkmals für die Opfer zeigt die Köpfe von Kinderfiguren.
    Mahnmal zum Gedenken an das Massaker von Cerpiano. © Udo Gümpel

Quellen

Vor den amerikanischen Ermittlern beschuldigte der Deserteur Willi Kneißl, der zur 2. Kompanie der Aufklärungs-Abteilung gehörte, Albert Meier, die Gruppe geleitet zu haben, die die Morde in Cerpiano verübte (US NARA, RG 238, Entry 2, Box 10, Case 16-70, San Martino/Monzuno, Aussage Willi Kneißl).

Antonietta Benni beschrieb die Ereignisse in Cerpiano in einem Bericht an Kardinal Giovanni Battista Nasalli Rocca, Erzbischof von Bologna. Ihre Memoiren wurden 1988 in der 4. Auflage von Luciano Gherardi, Le querce di Monte Sole (siehe Bibliografie), S. 335-351 veröffentlicht.  

Die Zeugenaussagen der italienischen Zivilisten werden in London aufbewahrt (The National Archives), insbesondere in der WO 310/121).

Auswahl der Bibliografie

Luca Baldissara, Paolo Pezzino, ll massacro. Guerra ai civili a Monte Sole, Bologna, Il Mulino, 2009, pp. 174-185, 249-253, 584.

Carlo Gentile, Wehrmacht und Waffen-SS im Partisanenkrieg: Italien 1943-1945, Paderborn, Ferdinand Schöningh, 2012, S. 245, 248, 256ff., 271.

Luciano Gherardi, Le querce di Monte Sole: vita e morte delle comunità martiri fra Setta e Reno, 1898-1944, Bologna, Il Mulino, 1986, pp. 65-88.

Dario Zanini, Marzabotto e dintorni, 1944, Bologna, Ponte Nuovo, 1996, pp. 414-430.

Autor*innenschaft und Übersetzung

Autor: Carlo Gentile

Übersetzt aus dem Italienischen durch: Giulia Gostoli

© Projekt "Die Massaker im besetzten Italien (1943–45) in der Erinnerung der Täter“

2023

Text: CC BY NC SA 4.0

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